Zauberwürfel schnell lösen: Speedcubing mit CFOP

Du kannst den Würfel schon lösen, brauchst aber zwei Minuten oder mehr? Hier lernst du Schritt für Schritt die CFOP-Methode, mit der fast alle Speedcuber arbeiten. Ziel: erst Sub-30, dann Sub-20.

Voraussetzungen: Wo du stehst

Diese Seite ist für alle, die den Zauberwürfel 3x3 schnell lösen wollen und die Anfängermethode schon beherrschen. Falls nicht, lies zuerst unsere Anleitung für Anfänger. Dort lernst du auch die Notation: R, L, U, D, F und B sind die rechte, linke, obere, untere, vordere und hintere Seite. Ohne Zusatz wird im Uhrzeigersinn gedreht, R' heißt gegen den Uhrzeigersinn, R2 ist eine halbe Drehung. Kleinbuchstaben wie f oder r drehen zwei Schichten auf einmal.

Mit der Anfängermethode landen die meisten bei 1 bis 2 Minuten. Wer den Zauberwürfel schnell lösen will, kommt mit dieser Methode irgendwann nicht weiter: Sie braucht über 100 Züge und viele Pausen. Wer wirklich schnell lösen will, braucht eine bessere Methode: CFOP.

Was ist CFOP?

CFOP (nach Jessica Fridrich auch Fridrich-Methode genannt) ist die Standardmethode im Speedcubing. Fast alle Weltrekorde der letzten Jahre wurden damit aufgestellt. Der Name steht für die vier Schritte:

  1. Cross: ein Kreuz auf der Unterseite.
  2. F2L (First Two Layers): die ersten zwei Schichten, Paar für Paar.
  3. OLL (Orientation of the Last Layer): die obere Fläche komplett gelb machen.
  4. PLL (Permutation of the Last Layer): die Steine der letzten Schicht an ihre Plätze bringen.

Eine durchschnittliche CFOP-Lösung braucht etwa 55 bis 60 Züge, also nur gut die Hälfte der Anfängermethode. Das volle CFOP hat 78 Algorithmen für die letzte Schicht. Du fängst aber mit einer abgespeckten Version an: 2-Look OLL und 2-Look PLL mit nur 16 Algorithmen. Damit ist Sub-30 gut machbar, und mit sauberem F2L sogar Sub-20.

Schritt 1: Das Kreuz auf der Unterseite

Bei der Anfängermethode baust du das weiße Kreuz meistens oben und drehst den Würfel dann um. Beim Speedcubing löst du das Kreuz direkt auf der Unterseite. Der Grund: Für F2L brauchst du freien Blick auf die obere Schicht, und jedes Umdrehen kostet Zeit.

Am Anfang wirst du dabei langsamer, weil du die Kantensteine nicht mehr direkt siehst. Das ist normal. So gewöhnst du dich daran:

  • Löse das Kreuz eine Woche lang oben, aber immer schon mit der richtigen Anordnung, also so, dass jede Kante zu ihrer Mittelfarbe passt.
  • Dann baue das Kreuz unten und schau dabei bewusst auf die Seiten. Ziel sind höchstens 8 Züge.
  • Nutze die 15 Sekunden Inspektion, um das ganze Kreuz im Kopf zu planen, bevor du startest. Im Cube Timer ist die Inspektion schon eingebaut.

Viele Cuber bleiben bei Weiß als Kreuzfarbe. Das ist völlig in Ordnung. Wichtig ist nur, dass du dich früh auf eine Farbe festlegst, damit du die F2L-Fälle immer gleich wiedererkennst.

Schritt 2: F2L, die ersten zwei Schichten

F2L ist der wichtigste Schritt für schnelle Zeiten. Statt erst die vier weißen Ecken und dann die vier Kanten der mittleren Schicht einzeln einzusetzen, bildest du in der oberen Schicht ein Paar aus Eckstein und Kantenstein und setzt beide zusammen ein. So brauchst du nur vier Schritte statt acht.

Es gibt 41 F2L-Fälle, aber du musst sie nicht auswendig lernen. F2L lernt man am besten intuitiv: Du verstehst, wie ein Paar entsteht, und baust es dann mit wenigen Zügen. Grundlage dafür sind vier Grundfälle. Alle gelten für den Slot vorne rechts, das Kreuz liegt unten.

FallLage der SteineAlgorithmus
1Eckstein oben vorne rechts, Weiß zeigt nach rechts. Kantenstein oben hinten.R U R'
2Eckstein oben vorne rechts, Weiß zeigt nach vorne. Kantenstein oben links.F' U' F
3Eckstein oben vorne rechts, Weiß zeigt nach vorne. Kantenstein oben rechts, oben die Farbe der vorderen Mitte.U R U' R'
4Eckstein oben vorne rechts, Weiß zeigt nach rechts. Kantenstein oben vorne, oben die Farbe der rechten Mitte.U' F' U F

Fall 1 und 2 sind „fertige“ Paare: Ecke und Kante gehen mit drei Zügen gemeinsam in den Slot. Bei Fall 3 und 4 bringt der erste Zug U oder U' die Steine in die richtige Lage, danach folgt das Einsetzen. Schau dir die Züge langsam an: Du wirst sehen, dass das R (oder F') den Slot öffnet, das U die Steine zusammenführt und das letzte R' (oder F) den Slot wieder schließt.

Fast jeder andere F2L-Fall lässt sich auf diese vier Grundfälle zurückführen. Liegt die Ecke zum Beispiel noch unten im Slot, holst du sie mit R U R' nach oben und hast dann einen der bekannten Fälle. Diese Denkweise ist der Kern von intuitivem F2L.

Drei Tipps für besseres F2L:

  • Wenig Würfeldrehungen: Statt den ganzen Würfel mit y zu drehen, bring das Paar mit U-Zügen an die passende Stelle. Für hintere Slots helfen Varianten mit L oder B, die du später lernst.
  • Freie Slots nutzen: Ein leerer Slot ist ein Werkzeug. Du kannst darin Steine „parken“, um schneller ein Paar zu bilden.
  • Langsam üben: Löse F2L bewusst langsam, ohne Pause zwischen den Paaren. Ein gleichmäßiges Tempo ist schneller als hektisches Drehen mit langen Suchpausen.

Schritt 3: 2-Look OLL (10 Algorithmen)

Nach F2L ist nur noch die letzte Schicht offen. Beim 2-Look OLL machst du die obere Fläche in zwei Etappen gelb: zuerst das gelbe Kreuz (Kantensteine), dann die gelben Ecksteine. Halte den Würfel immer mit Gelb oben.

Gelbes Kreuz: 3 Fälle

FallSo haltenAlgorithmus
LinieDie gelbe Linie liegt waagerecht (von links nach rechts).F R U R' U' F'
L-FormDie zwei gelben Kanten zeigen nach hinten und nach links.F U R U' R' F'
PunktKeine gelbe Kante oben, nur die Mitte.F R U R' U' F' f R U R' U' f'

Gelbe Ecken: 7 Fälle

Jetzt ist das gelbe Kreuz fertig. Je nachdem, wie viele Ecken schon gelb nach oben zeigen und wohin die anderen gelben Aufkleber schauen, nimmst du einen dieser sieben Algorithmen:

NameSo haltenAlgorithmus
SuneEine Ecke gelb oben: vorne links.R U R' U R U2 R'
AntisuneEine Ecke gelb oben: hinten rechts.R U2 R' U' R U' R'
HKeine Ecke gelb oben, je zwei gelbe Aufkleber zeigen nach vorne und nach hinten.R U2 R' U' R U R' U' R U' R'
PiKeine Ecke gelb oben, zwei gelbe Aufkleber zeigen nach links.R U2 R2 U' R2 U' R2 U2 R
Scheinwerfer (Headlights)Zwei Ecken gelb oben (vorne), die anderen zwei zeigen Gelb nach hinten.R2 D' R U2 R' D R U2 R
T (Chamäleon)Zwei Ecken gelb oben (rechts), links zeigt Gelb nach vorne und nach hinten.r U R' U' r' F R F'
Fliege (Bowtie)Zwei diagonale Ecken gelb oben (vorne links und hinten rechts).F' r U R' U' r' F R

Alle Fälle kannst du dir auf unserer Seite Zauberwürfel Algorithmen als 3D-Animation ansehen. Schalte dort „Nur 2-Look-Auswahl“ ein.

Schritt 4: 2-Look PLL (6 Algorithmen)

Die obere Fläche ist gelb, jetzt müssen die Steine nur noch an den richtigen Platz. Auch das geht in zwei Etappen: zuerst die Ecksteine, dann die Kantensteine.

Ecken tauschen: 2 Fälle

Schau auf die Seitenflächen der oberen Schicht. Zwei Ecken auf einer Seite mit gleicher Farbe heißen „Scheinwerfer“.

FallSo haltenAlgorithmus
Scheinwerfer auf einer Seite (T-Perm)Scheinwerfer links.R U R' U' R' F R2 U' R' U' R U R' F'
Keine Scheinwerfer (Y-Perm)Beliebig.F R U' R' U' R U R' F' R U R' U' R' F R F'

Hast du auf allen vier Seiten Scheinwerfer, sind die Ecken schon richtig. Danach drehst du U, bis die Ecken zu den Seitenmitten passen.

Kanten tauschen: 4 Fälle

FallSo haltenAlgorithmus
UaDrei Kanten im Kreis, die fertige Seite hinten.M2 U M U2 M' U M2
UbDrei Kanten im Kreis (andere Richtung), fertige Seite hinten.M2 U' M U2 M' U' M2
HGegenüberliegende Kanten tauschen.M2 U M2 U2 M2 U M2
ZBenachbarte Kanten tauschen.M' U M2 U M2 U M' U2 M2

Wenn du beim U-Perm die Richtung nicht sofort erkennst: Probiere Ua. War es die falsche Richtung, bleibt wieder ein U-Perm übrig, und du machst ihn noch einmal. Mit der Zeit erkennst du die Richtung auf einen Blick.

Mit diesen 16 Algorithmen hast du die komplette 2-Look-Version von CFOP. Der nächste große Schritt ist das volle PLL mit 21 Fällen, danach das volle OLL.

Fingertricks: Drehen ohne Umgreifen

Fingertricks sind Techniken, mit denen du Züge mit den Fingern statt mit der ganzen Hand machst. Das spart beim Speedcubing mehr Zeit, als man denkt, denn jedes Umgreifen kostet Zehntelsekunden.

  • Grundhaltung: Daumen vorne, Zeige- und Mittelfinger oben bzw. hinten. Halte den Würfel locker, nicht verkrampft.
  • U und U': U machst du mit dem rechten Zeigefinger, der die obere Schicht nach links schnippt. U' mit dem linken Zeigefinger.
  • R und R': Mit dem Handgelenk drehen, nicht mit dem ganzen Arm.
  • F und F': F machst du mit dem rechten Zeigefinger, der die Vorderseite rechts nach unten drückt. F' mit dem rechten Daumen, der rechts von unten nach oben schiebt.
  • M und M': Die Mittelschicht drehst du mit dem Ringfinger an der Rückseite, ohne umzugreifen. Das ist wichtig für die U-, H- und Z-Perms.

Übe jeden Algorithmus zuerst langsam mit den richtigen Fingern. Der Sexy Move R U R' U' ist ideal, um die Bewegung einzuschleifen: Mit gutem Fingertrick schaffst du ihn mehrmals pro Sekunde.

Lookahead: Weniger Pausen, mehr Tempo

Der größte Unterschied zwischen 30 und 20 Sekunden ist selten die Drehgeschwindigkeit, sondern die Pausen. Lookahead heißt: Während du ein F2L-Paar einsetzt, suchst du mit den Augen schon das nächste.

  • Langsam lösen: Löse ganz bewusst in Zeitlupe, aber ohne anzuhalten. Wenn du nicht mehr pausieren musst, wirst du automatisch schneller.
  • Nicht auf das Paar starren: Die Züge des aktuellen Paares kennst du. Schau währenddessen auf die anderen Steine in der oberen Schicht.
  • Kreuz und erstes Paar: Fortgeschrittene planen in der Inspektion nicht nur das Kreuz, sondern verfolgen auch, wo das erste F2L-Paar landet.

Der richtige Speedcube

Ein guter Speedcube macht einen großen Unterschied. Moderne Würfel drehen sich leichter, schneiden Ecken (sie drehen auch, wenn eine Schicht nicht genau ausgerichtet ist) und springen kaum auseinander. Mit einem alten Würfel aus der Schublade ist Sub-30 deutlich schwerer.

  • Magnete: Magnetische Speedcubes rasten nach jedem Zug sanft ein. Das macht sie stabiler und präziser. Heute haben fast alle Speedcubes Magnete, auch günstige Modelle.
  • Preis: Ein Einsteigermodell für 10 bis 20 Euro reicht für Sub-20 völlig aus. Teure Topmodelle mit vielen Einstellungen lohnen sich erst, wenn du genau weißt, was du willst.
  • Einstellen und schmieren: Viele Speedcubes lassen sich in Spannung und Magnetstärke einstellen. Ein Tropfen Silikonschmiermittel macht den Würfel geschmeidiger.
  • Stickerlos: Die meisten Speedcubes sind heute stickerlos, die Farben sind direkt im Kunststoff. Da kann sich nichts ablösen.

Probiere, wenn möglich, mehrere Würfel bei Freunden oder im Verein aus. Welcher sich am besten anfühlt, ist Geschmackssache.

Üben mit dem Timer: Von Sub-60 zu Sub-20

Ohne Zeitmessung weißt du nicht, ob du besser wirst. Unser Cube Timer erzeugt Scrambles wie im Turnier, hat die 15 Sekunden Inspektion eingebaut und berechnet Ao5 und Ao12. So kannst du typischerweise vorgehen:

  • Sub-60: Kreuz unten lernen, 2-Look OLL und 2-Look PLL auswendig können.
  • Sub-40: Intuitives F2L ohne Würfeldrehungen, erste Fingertricks.
  • Sub-30: Volles PLL, Kreuz in der Inspektion komplett planen, weniger Pausen im F2L.
  • Sub-20: Lookahead im F2L, Großteil des vollen OLL, saubere Fingertricks.

Übe lieber täglich 20 bis 30 Minuten als einmal pro Woche drei Stunden. Achte auf deinen Durchschnitt (Ao12), nicht auf einzelne Glückszeiten. Und wenn ein Schritt besonders langsam ist, trainiere ihn gezielt: zum Beispiel nur Kreuz plus erstes Paar oder nur PLL-Fälle.

Wenn du sehen willst, wie weit es gehen kann: Der aktuelle Weltrekord liegt bei wenigen Sekunden. Und wie kurz eine optimale Lösung ist, erfährst du auf Zauberwürfel in 20 Zügen. Für Abwechslung sorgen der 2x2 und der 4x4.

Häufige Fragen

Wie lange dauert es, bis man den Zauberwürfel unter 30 Sekunden löst?

Wer die Anfängermethode beherrscht und täglich 20 bis 30 Minuten übt, schafft Sub-30 mit CFOP meistens in zwei bis sechs Monaten. Sub-20 dauert in der Regel ein bis zwei Jahre.

Wie viele Algorithmen braucht man für Speedcubing?

Für den Einstieg in CFOP reichen 16 Algorithmen: 10 für 2-Look OLL und 6 für 2-Look PLL. F2L lernst du intuitiv. Später kommen das volle PLL (21) und das volle OLL (57) dazu.

Brauche ich einen speziellen Speedcube?

Ein moderner Speedcube dreht sich leichter, schneidet Ecken besser und blockiert seltener als ein alter Würfel. Schon ein günstiges Magnetmodell für 10 bis 20 Euro ist ein großer Sprung. Teure Topmodelle bringen am Anfang kaum etwas.

Was ist F2L?

F2L heißt First Two Layers. Du setzt dabei jeweils einen Eckstein und den passenden Kantenstein als Paar gleichzeitig ein und löst so die ersten zwei Schichten in vier Schritten statt in acht.

Soll ich das Kreuz auf der Unterseite lösen?

Ja. Fast alle Speedcuber lösen das Kreuz direkt unten. So siehst du während F2L die obere Schicht und musst den Würfel nicht umdrehen. Am Anfang ist das ungewohnt, aber es lohnt sich sehr früh.