Zauberwürfel: Geschichte, Erfinder und Fakten
Sechs Seiten, neun Felder pro Seite und mehr als 43 Trillionen Möglichkeiten, ihn zu verdrehen. Hier erfährst du, wer den Zauberwürfel erfunden hat, wie er innen aufgebaut ist, warum er so viele Kombinationen hat und wie du ihn selbst lösen lernst.
Was ist der Zauberwürfel?
Der Zauberwürfel ist ein mechanisches Drehpuzzle in Form eines Würfels. International heißt er Rubik's Cube, benannt nach seinem Erfinder Ernő Rubik. Jede der sechs Seiten ist in 3x3 Felder aufgeteilt, und jede Schicht lässt sich drehen. Im gelösten Zustand hat jede Seite genau eine Farbe. Schon nach wenigen Drehungen sind die Farben wild gemischt, und die Aufgabe besteht darin, den Würfel wieder in den Ausgangszustand zu bringen.
Das Besondere: Der Würfel hält zusammen, obwohl sich alle Teile frei bewegen. Es gibt keine Achse, die durch alle Steine geht, und beim Original auch keine Magnete, die die Steine festhalten. Nur die Mitten sind mit dem Kern verschraubt, alle anderen Steine greifen so ineinander, dass sie sich gegenseitig halten. Genau diese Konstruktion war die eigentliche Erfindung.
Ein Standardwürfel hat eine Kantenlänge von etwa 57 mm. Heute gibt es neben dem Original von Rubik's unzählige Speedcubes von Herstellern wie GAN, MoYu oder QiYi, die viel leichter drehen und für Wettkämpfe optimiert sind.
Wer hat den Zauberwürfel erfunden?
Erfunden hat ihn Ernő Rubik, geboren am 13. Juli 1944 in Budapest. Rubik war Bildhauer und Architekt und unterrichtete Mitte der 1970er Jahre an der Hochschule für angewandte Kunst in Budapest im Fachbereich Innenarchitektur. Oft liest man, er habe den Würfel als Unterrichtsmaterial für räumliches Denken gebaut. Rubik selbst hat später erklärt, dass ihn vor allem ein Konstruktionsproblem reizte: Wie baut man ein Objekt, dessen kleine Teile sich unabhängig voneinander bewegen, ohne dass es auseinanderfällt?
1974: der erste Prototyp
Im Jahr 1974 baute Rubik innerhalb weniger Wochen den ersten Prototyp, damals noch aus Holz. Dass er ein Puzzle erfunden hatte, merkte er erst, als er den Würfel verdrehte und die Farben nicht mehr zurückbekam. Nach eigenen Erinnerungen brauchte er etwa einen Monat, bis er seinen eigenen Würfel zum ersten Mal gelöst hatte.
1975 bis 1977: Patent und Bűvös kocka
Am 30. Januar 1975 meldete Rubik in Ungarn das Patent für den „Bűvös kocka“ an, auf Deutsch „magischer Würfel“. Daher kommt auch der deutsche Name Zauberwürfel. Das ungarische Patent trägt die Nummer HU170062. Ende 1977 kamen die ersten Würfel in Budapester Spielwarenläden in den Verkauf, zunächst nur in kleinen Stückzahlen.
1979 und 1980: der Sprung in den Westen
Im Februar 1979 brachte der Geschäftsmann Tibor Laczi einen Würfel zur Spielwarenmesse in Nürnberg. Dort fiel er dem Spieleentwickler Tom Kremer auf, und im September 1979 wurde ein Vertrag mit dem US-Spielzeughersteller Ideal Toy unterschrieben. Ideal wollte einen eigenen, schützbaren Namen. Im Gespräch waren unter anderem „The Gordian Knot“ und „Inca Gold“, am Ende wurde der Würfel 1980 nach seinem Erfinder benannt: Rubik's Cube.
Anfang 1980 wurde der Würfel auf den Spielwarenmessen in London, Paris, Nürnberg und New York vorgestellt. In Westdeutschland war er ab Juni 1980 im Handel und bekam im selben Jahr beim Spiel des Jahres 1980 einen Sonderpreis als bestes Solitärspiel.
Der Boom der 80er Jahre
Was dann kam, war ein weltweiter Hype. Zwischen 1980 und 1983 wurden Schätzungen zufolge rund 200 Millionen Würfel verkauft. Es gab Lösungsbücher, die monatelang auf den Bestsellerlisten standen, Fernsehsendungen und sogar eine Zeichentrickserie. 1981 wurde in München eine vom Guinness-Buch organisierte Meisterschaft ausgetragen. Die erste offizielle Weltmeisterschaft fand am 5. Juni 1982 in Budapest statt. Gewonnen hat der US-Amerikaner Minh Thai mit 22,95 Sekunden.
Ab 1982 brach die Nachfrage aber genauso schnell ein, wie sie gekommen war. Für viele war der Würfel danach ein Stück 80er-Nostalgie, das im Kinderzimmerschrank verschwand.
Speedcubing-Renaissance und WCA
Ende der 1990er Jahre entdeckte eine neue Generation den Würfel über das Internet wieder. In Foren und auf Webseiten wurden Lösungsmethoden geteilt, allen voran die Methode, die heute als CFOP bekannt ist. 2003 fand in Toronto wieder eine Weltmeisterschaft statt, und daraus entstand 2004 die World Cube Association (WCA). Sie organisiert bis heute die offiziellen Wettkämpfe und führt die Rekordlisten. Mit YouTube-Tutorials und immer besseren Speedcubes aus China wurde Speedcubing seit den 2010er Jahren zu einem echten Sport mit Wettkämpfen in über hundert Ländern.
Die Marke Rubik's gehört seit Anfang 2021 dem kanadischen Spielzeugkonzern Spin Master, der dafür rund 50 Millionen US-Dollar bezahlt hat. Insgesamt wurden laut Schätzungen etwa 500 Millionen Rubik's Würfel verkauft (Stand 2024).
Gab es Vorläufer?
Ja, mindestens zwei. Der Amerikaner Larry D. Nichols erhielt 1972 ein US-Patent auf einen 2x2x2 Würfel, dessen Teile von Magneten zusammengehalten wurden. In Japan bekam Terutoshi Ishigi 1976 ein Patent auf einen sehr ähnlichen Mechanismus wie Rubik. Beides gilt als unabhängige Erfindung. Den Durchbruch hat aber nur Rubiks Würfel geschafft.
Aufbau: aus wie vielen Steinen besteht ein Zauberwürfel?
Von außen sieht der Würfel aus wie 27 kleine Würfelchen. Tatsächlich besteht ein 3x3 Zauberwürfel aus 26 sichtbaren Steinen und einem Kern in der Mitte, den man nie sieht:
- 6 Mittelsteine mit je einer Farbe. Sie sind fest mit dem Kern verschraubt und bewegen sich relativ zueinander nie. Die Mitte bestimmt deshalb, welche Farbe eine Seite am Ende hat.
- 12 Kantensteine mit je zwei Farben. Sie sitzen zwischen zwei Ecken.
- 8 Ecksteine mit je drei Farben.
- Der Kern: ein Achsenkreuz mit sechs Armen, an dem die Mitten mit Schrauben und Federn befestigt sind.
Zusammen ergibt das 6 + 12 + 8 = 26 Steine und 6 + 24 + 24 = 54 farbige Felder. Kanten und Ecken haben kleine Füße, die unter die Nachbarsteine greifen. So hält alles zusammen, egal wie man dreht.
Das Farbschema
Fast alle Würfel nutzen heute dasselbe Farbschema, das sich seit 1988 bei den offiziellen Würfeln durchgesetzt hat: Weiß gegenüber Gelb, Blau gegenüber Grün und Rot gegenüber Orange. Hält man Weiß oben und Grün vorne, liegt Rot rechts und Orange links. Wer mit unserer Anleitung lernt, beginnt mit der weißen Seite und endet mit Gelb.
Wie viele Kombinationen hat der Zauberwürfel?
Ein 3x3 Zauberwürfel hat genau
43.252.003.274.489.856.000
mögliche Stellungen. Ausgesprochen sind das 43 Trillionen 252 Billiarden 3 Billionen 274 Milliarden 489 Millionen 856 Tausend. Und nur eine einzige davon ist gelöst.
So kommt die Zahl zustande
- Ecken vertauschen: Die 8 Ecken lassen sich auf 8! = 40.320 Arten anordnen.
- Ecken drehen: Jede Ecke kann auf 3 Arten verdreht sein. Die Drehung der letzten Ecke ergibt sich aber aus den anderen sieben, also 37 = 2.187.
- Kanten vertauschen: 12! = 479.001.600 Anordnungen.
- Kanten kippen: Jede Kante kann richtig oder falsch herum sitzen. Die letzte Kante ist wieder festgelegt, also 211 = 2.048.
- Geteilt durch 2: Man kann mit Drehungen nie nur zwei Steine miteinander tauschen. Deshalb ist die Hälfte der Anordnungen unerreichbar.
8! × 37 × 12! × 211 / 2 = 43.252.003.274.489.856.000. Nimmt man den Würfel auseinander und setzt ihn zufällig wieder zusammen, gibt es sogar zwölfmal so viele Stellungen. Dann ist er nur in einem von zwölf Fällen überhaupt lösbar. Deshalb solltest du einen Würfel nie einfach falsch zusammenbauen.
Wie groß ist diese Zahl?
- Würdest du jede Sekunde eine neue Stellung ausprobieren, bräuchtest du rund 1,4 Billionen Jahre. Das ist ungefähr hundertmal so lange, wie das Universum alt ist.
- Würde man für jede Stellung einen 57-mm-Würfel aufeinanderstapeln, wäre der Turm etwa 260 Lichtjahre hoch.
- Trotzdem reichen für jede dieser Stellungen höchstens 20 Züge. Mehr dazu im nächsten Abschnitt.
Gottes Zahl: 20 Züge
Jahrzehntelang war unklar, wie viele Züge man im schlimmsten Fall braucht. Im Juli 2010 bewies ein Team um Tomas Rokicki, Herbert Kociemba, Morley Davidson und John Dethridge mit Rechenzeit von Google: Jede Stellung lässt sich in höchstens 20 Zügen lösen, wenn eine halbe Drehung als ein Zug zählt. Diese Zahl nennt man „Gottes Zahl“. Zählt man nur Vierteldrehungen, sind es 26 Züge (bewiesen 2014). Eine der Stellungen, die wirklich 20 Züge braucht, ist der „Superflip“, bei dem alle Kanten an ihrem Platz, aber gekippt sind.
Wie Computer so kurze Lösungen finden, erklären wir ausführlich auf der Seite Zauberwürfel in 20 Zügen lösen. Unser Online-Löser nutzt denselben Zwei-Phasen-Algorithmus von Herbert Kociemba.
Rekorde in Kürze
Bei der ersten Weltmeisterschaft 1982 gewann Minh Thai mit 22,95 Sekunden. Heute liegt der offizielle WCA-Weltrekord für eine einzelne Lösung bei 2,51 Sekunden (Xuanyi Geng, China, Stand Oktober 2026). Roboter sind noch schneller und schaffen es in rund einer Zehntelsekunde. Alle Rekorde, auch für 2x2, 4x4, einhändig und blind, findest du auf unserer Seite zum Zauberwürfel Weltrekord.
Zauberwürfel Arten
Der klassische 3x3 ist nur der Anfang. Schon in den 80ern kamen der 2x2 (Pocket Cube), der 4x4 (Rubik's Revenge) und der 5x5 (Professor's Cube) auf den Markt. Dazu gibt es Formen wie Pyramiden (Pyraminx), Zwölfflächner (Megaminx), den Skewb, den Square-1 oder den Spiegelwürfel, der nur Formen statt Farben hat. Einen Überblick mit Schwierigkeitsgrad und WCA-Status gibt es auf der Seite Zauberwürfel Arten.
Den Zauberwürfel lösen lernen
Die gute Nachricht: Du musst kein Genie sein. Mit der Anfängermethode löst du den Würfel Schicht für Schicht und brauchst nur ein paar kurze Zugfolgen. Die meisten schaffen es nach wenigen Tagen mit Anleitung und nach ein bis zwei Wochen auswendig.
- Anleitung für Anfänger in 7 Schritten mit 3D-Animation zu jedem Schritt.
- Zauberwürfel lösen für Kinder, einfacher erklärt und mit Merksätzen.
- Zauberwürfel Löser: Farben eingeben oder mit der Kamera scannen, und du bekommst die Lösung Zug für Zug.
- Schneller lösen mit CFOP, wenn die Anfängermethode sitzt.
10 überraschende Fakten über den Zauberwürfel
- Der Erfinder brauchte einen Monat. Ernő Rubik selbst benötigte nach eigenen Angaben etwa einen Monat, um seinen Würfel das erste Mal zu lösen.
- Er war nicht als Spielzeug gedacht. Rubik ging es um eine Konstruktion, bei der sich alle Teile bewegen, ohne dass sie auseinanderfallen. Das Puzzle war fast ein Nebeneffekt.
- Fast hätte er „Inca Gold“ geheißen. Bevor sich Ideal Toy 1980 für Rubik's Cube entschied, standen auch „Inca Gold“ und „The Gordian Knot“ zur Auswahl.
- Rund 500 Millionen Stück. So viele Rubik's Würfel wurden schätzungsweise verkauft (Stand 2024), Nachbauten und Speedcubes nicht mitgezählt.
- 43 Trillionen Stellungen, aber höchstens 20 Züge. Das wurde 2010 mit Rechenzeit von Google bewiesen.
- Zusammenbauen kann gefährlich sein. Wer den Würfel auseinandernimmt und zufällig zusammensetzt, hat nur eine Chance von 1 zu 12, dass er lösbar bleibt.
- Die Mitten bewegen sich nie. Egal wie du drehst, die sechs Mittelsteine bleiben zueinander immer gleich. Weiß liegt also immer gegenüber von Gelb.
- Von 22,95 auf 2,51 Sekunden. So schnell war der Weltmeister 1982, so schnell ist der Weltrekord heute.
- Der Würfel mit den meisten Schichten ist ein 49x49x49. Gebaut hat ihn Preston Alden aus den USA, anerkannt von Guinness im Jahr 2024. Er hat 14.406 Sticker.
- Es gab schon vorher ein Patent. Larry D. Nichols aus den USA ließ sich 1972 einen 2x2x2 Würfel mit Magneten patentieren, zwei Jahre vor Rubiks erstem Prototyp.
Häufige Fragen zum Zauberwürfel
Wer hat den Zauberwürfel erfunden?
Der Zauberwürfel wurde von Ernő Rubik erfunden, einem ungarischen Bildhauer, Architekten und Dozenten an der Hochschule für angewandte Kunst in Budapest. Deshalb heißt er international Rubik's Cube.
Wann wurde der Zauberwürfel erfunden?
Ernő Rubik baute den ersten Prototyp 1974 in Budapest. Das ungarische Patent meldete er im Januar 1975 an, ab Ende 1977 gab es den Würfel in ungarischen Spielwarenläden und 1980 begann der weltweite Verkauf.
Aus wie vielen Steinen besteht ein Zauberwürfel?
Ein klassischer 3x3 Zauberwürfel besteht aus 26 sichtbaren Steinen: 6 Mittelsteine, 12 Kantensteine und 8 Ecksteine. Dazu kommt im Inneren der Kern, ein Achsenkreuz, an dem die Mittelsteine festgeschraubt sind. Auf der Oberfläche gibt es insgesamt 54 farbige Felder.
Wie viele Kombinationen hat ein Zauberwürfel?
Ein 3x3 Zauberwürfel hat 43.252.003.274.489.856.000 mögliche Stellungen, also rund 43 Trillionen. Nur eine davon ist gelöst.
Wie viele Züge braucht man höchstens, um den Zauberwürfel zu lösen?
Jede Stellung lässt sich in höchstens 20 Zügen lösen, wenn halbe Drehungen als ein Zug zählen. Diese sogenannte Gottes Zahl wurde 2010 mit Computerhilfe bewiesen.
Welche Farbe liegt beim Zauberwürfel gegenüber?
Beim Standard-Farbschema liegen sich Weiß und Gelb, Blau und Grün sowie Rot und Orange gegenüber. Dieses Schema ist seit 1988 bei den offiziellen Rubik's Würfeln üblich und wird von fast allen Herstellern übernommen.
Wie schwer ist es, den Zauberwürfel zu lösen?
Mit einer Anfängermethode schafft es fast jeder. Man lernt den Würfel Schicht für Schicht zu lösen und braucht dafür nur eine Handvoll kurzer Zugfolgen. Die meisten können ihn nach ein bis zwei Wochen Übung ohne Anleitung lösen.
Wie viele Zauberwürfel wurden verkauft?
Schätzungen gehen von rund 500 Millionen verkauften Rubik's Würfeln aus (Stand 2024). Damit gehört er zu den meistverkauften Spielzeugen der Welt.
Quellen: Wikipedia: Zauberwürfel, Wikipedia: Rubik's Cube, cube20.org, Guinness World Records.